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JUDEN IN MAROKKO - GESCHICHTE

Zweitausendjahre Geschichte

Das Judentum kann in Marokko mit Stolz auf eine zweitausendjährige Geschichte zurückblicken. Auch wenn die Juden hier, genau wie überall auch hin und wieder harte Zeiten hatten, so bilden sie doch einen großen Teil des marokkanischen Erbes. Sie prägten die ersten Silbermünzen und waren groß im Handwerk. Sie spielten eine führende Rolle im Handel, dem Regionalen wie dem Internationalen. Und nicht zuletzt brachten sie andalusische Elemente in die Musik, Literatur und Architektur aber auch in die Küche mit ein. Dinge die Marokko Heute zu einem bunten und attraktiven Ziel für Millionen von Touristen jedes Jahr machen.

Seit der Zeit nach der zerstörung des herodianischen Tempels 70n. Chr. durch den Römer Titus sind Juden rund um das Mittelmeer nachweisbar. In Marokko sind vermutlich auch einige Berberstämme, die ursprüngliche Bevölkerung Marokkos zum Judentum konvertiert, bevor sie sich später zu großen Teilen dem Islam anschlossen. Dies sind die ältesten Juden Marokkos. Doch es gibt noch eine weitere, Heut weit größere Gruppe. Es sind die Juden die vor der Reconquista und der Inquisition aus Spanien und Portugal flohen. Die meisten von Ihnen fanden entweder einen Unterschlupf unter der Hand des Papstes im Vatikan oder kamen nach Marokko.

1492 Alhambra Edikt

1492 hatten die Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon im Alhambra-Edikt nach der vollständigen Rückeroberung Andalusiens die Vertreibung oder Konvertrierung aller Juden und Muslime in Spanien angeordnet. Wer vor diesen repressiven Maßnahmen nach Portugal geflohen war, dem blieb ebenfalls nicht viel Zeit, da nur fünf Jahre später auch dort ein ähnlicher Erlass erfolgte.

Die Härte gegenüber den Juden mag vor dem Hintergrund überraschen, dass einige der wichtigsten Berater des spanischen Königshauses und Finanziers der Reconquista Juden waren. Vielleicht liegt die Erklärung darin, dass die Juden die muslimischen Eroberer einst mit offenen Armen empfangen hatten. Unter den Almoraviden hatten die Völker und Religionen schließlich ein goldenes Zeitalter gehabt und waren symbiotisch aneinander gewachsen und ihre Kulturen hatten sich miteinander verwoben. So hatte auch der große jüdische Philosoph Maimonides seine bedeutenden Texte zur Ordnung der Mischna und den grundlegenden Fragen des Judentums auf arabisch geschrieben.

Doch nicht erst die katholischen Könige hatten mit der Toleranz der Almoraviden gebrochen sondern auch schon deren Nachfolger die Almohaden. Vor denen flüchtet Maimonides mit seiner Familie aus Cordoba zunächst nach Fes und später von dort nach Kairo wo er zum Leibarzt des Sultan Saladin wurde. Andere blieben auch in ihrer Heimat und konvertierten, blieben aber insgeheim ihrem alten Glauben treu. Doch auch diese Kryptojuden die von den Spaniern Marranos, Schweine oder neutraler einfach conversos genannt wurden und sich selbst den talmudischen Namen Anusim gaben, hatten mit schwerer Unterdrückung zu kämpfen. Tausende von ihnen wurden von der Inquisition verurteilt und verbrannt.

Den finanziellen Schaden den die Spanier durch den Wegfall ihrer wichtigsten Steuerzahler, Handelshäuser und Banken erlitten, konnten sie leicht durch deren Hinterlassenschaften und das Geld, das Columbus in Amerika entdeckte kompensieren.

Antisemitismus und Emigration: Dreyfus-Affäre, Herzls Judenstaat, Mohammed V

Nach dem zweiten Weltkrieg lebten noch rund 270.000 Juden in Marokko. Heute sind es noch 5.000. Dafür geht man von einer knappen Million Juden marokkanischen Ursprungs aus.

Bis Marokko 1912 französisches Protektorat wurde hatten die Juden in Marokko den Dhimmi-Status, den Status von Schutzbefohlenen, den der Islam für die monotheistischen Religionen vorsieht. Zwar erhielten die Juden unter den Franzosen einige Freiheiten, doch wurden ihnen andere dafür entzogen. Sie durften nun frei ihren Wohnort wählen und mussten nicht mehr in den Ghettoähnlichen Mellahs leben. Dafür wurde ihre rabbinische Selbstverwaltung aufgelöst. Vor allem aber kam mit den Franzosen eine erneute Welle des Antisemitismus. Niemand hatte in Frankreich die antisemitisch geprägte Dreyfus-Affäre vergessen die seit 1894 über zehn Jahre das Land gespalten hatte. Und auch in Marokko hatten die Juden Herzls Ruf nach einem Judenstaat in der Folge der Affäre vernommen. Dennoch blieben die meisten noch in Marokko. Erst nachdem die Juden in Marokko 1940-1942 unter der Herrschaft des Vichy-Regimes die Drohung des Nationalsozialismus gespürt hatten kam es zur ersten großen Emigrationswelle. Auch wenn König Mohammed V. einen Teil der Bedrohung hatte abwenden können, so war doch das Vertrauen in die Französische Vorherrschaft gebrochen. Bis zur Unabhängigkeit Marokkos 1956 verließen 90.000 Juden das Land.

Mit der Unabhängigkeit und Reinthronisierung des Königs Mohammed V. der zuvor von den Franzosen ins Exil gezwungen worden war keimte auch in den jüdischen Gemeinden Marokkos wieder die Hoffnung auf ein gleichberechtigtes Leben. Bereits in seiner ersten Rede versprach Mohammed V. den Juden tatsächlich die gleichen Bürgerrechte. In den ersten zwei Regierungen gab es sogar einen jüdischen Minister, Dr. Benzaken.

In Folge des Sechs-Tage-Krieges 1967 kam es zu einer zweiten Auswanderungswelle, nachdem es auch in Marokko zu Hetzkampagnen und Boykotten gekommen war. Weitere 40.000 Juden verließen das Land. 

 

Herr Azoulay und Zaccharia in der Synagoge in Marrakesch beim Beten am Schabbat

 Diese Synagoge in Fes wurde lange Zeit als Boxstall genutzt. Sie wird jetzt renoviert und soll wieder zum Zentrum der dortigen Gemeinde werden.

 Der Friedhof in Fes im Nebel. Die runden Namenlosen Gräber sind Kindergräber. Die Kinder starben in Epidemien. Die länge ihrer Grabsteine weist auf ihre eigene Körpergröße hin.

 Zwei Schäfer auf dem jüdischen Friedhof in Chefchaouen. Mit Blick auf die blaue Stadt

 


28.3.11 11:20
 



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