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MARRKOANER UND DAS GELD-MEKNES

Fuer ein paar Dirham (1€=11Dh) lassen Marrkoanner scheinbar alles fallen.

Heute Morgen habe ich mich um 9 auf den Weg gemacht um den Bus nach Fes zu nehmen. Ich hatte mir dringend vorgenommen die Route ueber den Osten durch das Atlasgebirge zu nehmen, da die andere wieder ueber Casablanca gefuehrt haette und ich die Route ja schon hinter mir und als nicht so sehenswert empfunden hatte.

Um kurz vor Zehn war ich schliesslich nach einigen Umwegen am zentralen Busbahnhof. Dort herrscht unuebersehbares treiben. Schreien. Hupen. Rennen. Bremsende Busse. Quietschende Moppedreifen und aufheulende Busmotoren.

Ich lasse mich von einem Mann zu einem Bus nach Fes bringen. Ich muss mich sehr beeilen weil der Bus gleich losfaehrt. Ich frage noch ob es der Bus ueber Casablanca oder die Berge ist. Casablanca. Aber der andere geht erst um vier Uhr und dann komme ich erst in der Nacht in Fes an. Also springe ich schnell in den Bus bezahle meine 145Dh und mache es mir in dem alten, schrabbeligen aber immerhin leeren Bus bequem. Ich frage nochmal zur Sicherheit den Busfahrer ob das der Bus nach Fes ist, und da der mich nur doof anglotzt frage ich nochmal in die Runde. die Leute nicken oder schauen weiter gelangweilt aus dem Fenster. Kaum habe ich mich ausgebreitet, heult der knatterige Busmotor auf und der Bus faehrt an. Ich schliesse die Augen. Als ich die Augen wieder aufmache sind wir gerade mal einen halben Meter weiter gekommen. Der Bus steht wieder. Eine ganze Reihe Leute steigt ein. Sie sitzen noch gar nicht, da beginnt der Bus rueckwaerts auszuparken. Ich lehne mich gemuetlich an meinen Rucksack und strecke die Beine ueber das lose Sitzkissen meines zweiten Sitzes. Und wieder schliesse ich die Augen. Als ich die Augen oeffne springen gerade drei Leute mit Suessigkeiten in den Bus. Sie schreien wild gestikulierend rum und versuchen ihren Kram loszuwerden. Der Bus faehrt wieder an und die Jungs springen maessig panisch ab. Wir fahren tatsaechlich. Am Tor des Busbahnhofes werden wir von Waechtern aufgehalten. Die kurze Untebrechung nutzen noch mal Leute um in den Bus zu steigen. Jetzt sind schon fast alle Plaetze des urspruenglich so leeren Busses belegt und wir stehen schon eine dreiviertel Stunde seit ich so hektisch in den Bus gestiegen bin. Ich frage mich langsam ob es wirklich eine gute Entscheidung war diesen Bus zu nehmen. Immerhin sind 145Dh nicht so viel, dass ich nicht einfach noch einen anderen Bus nehmen koennte. Doch in diesem Moment verlassen wir den Busbahnhof.

Wir fahren. Endlich. Doch schon an der naechsten Kreuzung haelt der Bus wieder. Weitere Leute steigen ein. Nach einigem Zoegern mache ich einem jungen Mann meinen zweiten Platz frei und raeume meinen Rucksack nach hinten, auf eine noch leere Sitzbank die eigentlich nur als Ablage und nicht als Sitz dienen kann, da man auf einer geraden Metallplatte sitzen wuerde, mit einer geraden Metallplatte und unfoermig hervorstehenden Fenstern im Ruecken.
Nun scheint aller Komfort in dem Bus verloren zu sein. Doch das Urteil erweist sich als vorschnell.

Nach keinen zweieinhalb Minuten Fahrt steigt eine Gruppe Frauen, scheinbar alle aus einer Familie ein. Die aelteste kommt zu erst zu uns nach hinten. Die Frau ist mit Sicherheit schon ueber Sechzig. In einem Moment unbedachter Routine mache ich der Frau meinen Platz frei und setze mich hinten aufs Brett zu meinem Rucksack. Die anderen Frauen, samt einem Baby und einem Kleinkind setzen sich neben mich.

Jetzt ist aller KOmfort verloren. Vorne stossen die Knie an. Im Ruecken habe ich immer entweder den Fensterrahmen oder die hintere Ecksaeule des Busses. Halb auf meinem Schoss sitzt ein dickes verzogenes, sabberndes Kleinkind und zu den Seiten ist nicht ein Zentimeter Platz mehr. So eingekerkert machen wir uns schliesslich wirklich auf den Weg.

Der Bus haelt an jeder Milchkanne und ich beginne langsam an meinem Zeitplan zu zweifeln. Zwischendurch steigen immer wieder Leute aus und wieder zu. Irgendwann schaffen es die Frauen nach vorne aufzuruecken, ich hingegen komme aus meiner Ecke mit meinem Rucksack so leicht nicht mehr raus.

Nach ueber fuenf Stunden Fahrt erreichen wir schliesslich Casablanca. Alle Leute steigen aus. Ich frage einen Mann ob der Bus denn nicht weiter nach Fes faehrt. Er bedeutet mir nur ich solle ihm folgen. Also steige ich aus und folge ihm zu einem der vielen Busse auf dem Busbahnhof von Casablanca. Als er auf einen Bus deutet und sagt "Fes", beschwere ich mich und sage, dass ich aber schon mein Ticket nach Fes bezahlt habe. Da zuckt er nur die schultern, sagt "Diebe" und geht. Ich gehe zurueck zum Bus um mich ueber den Betrug zu beschweren, denn fuer die Fahrt nach Fes haette ich nur 80Dh zahlen muessen und in dem Bus wahrscheinlich sogar nur 50 oder weniger, doch der Bus ist weg.

Da hat doch erst ein Marrokaner fuer seine Provision auf seine Tradition der Gastfreundschaft verzichtet und mich bewusst in einen falschen Bus gesetzt und mi dafuer, dass er mir meine Wunschroute klaut auch noch den doppelten Preis abgeknoepft. Und dann hat eine ganze Busladung das einfach nickend und unkommentiert hingenommen und meine Freundlichkeit nicht mal mit Aufrichtigkeit quitiert.

Mehr oder weniger Notgedrungen nehme ich also den naechsten Bus nach Fes und bezahle nochmal meine 75Dh. Dieser Bus ist nun endlich recht komfortabel aber ich bin noch voellig genervt von den Marokkanern und kann nicht so recht verstehen, wie man sein kleines Kind im Bus, direkt vor mir, wickeln kann und dann mit dem wiederlich fleckigen Wickeltuch dem Kidn Luft zu faecheln, bzw. zu mir rueber wedeln kann. Dennoch, die Fahrt geht gut und ich sage mir das ich bei dieser Fahrt entlang der durchgaengig besiedelten Kueste zwar nicht zu sehen kriege, was Marokko zu bieten hat, aber immerhin das was die meisten Marokkaner ihr Marokko nennen. 

Langsam wird es Dunkel. Rabat haben wir immerhin hinter uns aber noch steht Meknes als letzter grosser Stop vor Fes bevor. Doch Meknes laesst auf sich warten. Noch ein Stop. Dann noch ein Stop. Es ist schon lange Dunkel, die mondsichel steht waagerrecht wie eine Schuessel am Himmel und der grosse Wagen zu meiner Linken deutet immerhin daraufhin, das wir uns richtig Richtung Nordosten bewegen.

Schliesslich Meknes.
Der Bus endet hier.
Also entschliesse ich mich in Meknes einer alten Koenigsstadt zu uebernachten und Morgen weiter zu fahren. Dann gleich direkt um 12 den Bus nach Chefchaouen nehmen und von dort am Donnerstag wieder nach Sueden, nach Fes fahren.

Hier in Meknes schliesslich finde ich nach einigem Suchen schliesslich ein Hotelzimmer fuer 70Dh. Die Hotelfrau scheint des Lesens und Schreibens nicht maechtig zu sein, weshalb ich mein Anmeldeformular selbst ausfuellen muss. In Doppelter Ausfuehrung.

Bevor ich dann diesen Eintrag hier schrieb, habe ich mich auf den fast verlassenen zentralen Platz hier gesetzt und in einem Restaurant eine Pizza gegessen. Von Marokkanischen Traditionen hatte ich fuer Heute genug. Die Pizza soll 50 Dh kosten. Als ich aufspringe und genervt mein "viel zu teuer" raushaue, sagt mir der Kellner das ich alles fuer 20 Dh weniger bekommen kann. Also bleibe ich.

Nach einer Weile setzt sich ein junges marokkanisches Paerchen in meine Naehe. Ihre Karte sieht anders aus als meine. Als sie schliesslich ihre Pommes aufgegessen haben, schnappe ich mir ihre Karte und: Boum! 

Alles 20Dh guenstiger.
Waehrend ich meine Pizza esse setzen sich zwei Hollaender, Papa und Sohn in meine Naehe. Der Kellner gibt ihnen die Touristenkarte. Als der Kellner gerade nicht in der Naehe ist aber gerade rueberschaut zeige ich den beiden Touris vergnuegt die Marokkanerkarte. Als sie dann auch von dieser Karte aus bestellen erklaert ihnen der Kellner hoeflich, dass es sich um eine Gruppen und eine Einzelkarte handele. Als ich fertig bin und bezahle meint der Kellner: Komm Morgen wieder. Du kriegst auch die Marokkaner und nicht die Touristenkarte.

Ich kann mir nicht verkneifen auch das meinen beiden Touris zu erzaehlen. Heute gilt meine Solidaritaet auf jeden Fall den Touris und nicht den Marokkanern die fuer ein paar Dirham ihre Tradition der Gastfreundschaft vergessen.

 

7.3.11 23:38
 



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