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ZUR LAGE DER NATION II

Hallo, ich bin nach meiner Ankunft mit dem Zug vom Flughafen in die Stadt gefahren und habe dort einen berliner Professor getroffen der einen ehemaligen Schueler in Casablanca besuchen fuhr. Dieser ehemalige Student begruesste uns am Bahnhof mit den Zorten: Willkommen im Kriegsgebiet! Das war natuerlich als Scherz gemeint. Marokko treibt so friedlich vor sich hin wie eh und jeh. Wenn man mal von all den kleineren Konflikten wie der Besetzung der Westsahara und der strukturellen Benachteiligung der berberischen Bevoelkerung und vor allem der imensen sozialen Kluft absieht. Die soziale Kluft spiegelt sich vor allem in den Autos wieder. Der Durchschnitt der Autos hier in Casablanca entspricht ungefaehr dem Durchschnitt in Hamburg oder Berlin. Ueberall neue Autos. Vielleicht ein paar mehr asiatische Produkte. Aber neu. Permanent kriegt man die neuesten Porsches, Jaguare, BMWs und Mercedesse vorgefuehrt. Ueberall die grossen modernen Gelaendewagen von Audi, VW und Porsche und zwischendurch auch mal ein Ferrari oder Lamborghini. Im Gegensatz dazu stehen die offiziellen Fahrzeuge. Taxen, Polizeiautos und Krankenwagen scheinen vor zwanzig Jahren in ihrem Herkunftsland Korea ausgemustert worden zu sein. Hin und wieder sieht man auch LKWs die direkt aus Indien importiert zu sein scheinen. Da funktionieren die Bremsen nur noch mit vielen Gebeten und Fluechen. NAtuerlich gibt es auch viele private Fahrzeuge die dem offiziellen Niveau entsprechen. So gibt es z.B. eine ganze Armada von nur knapp praemortalen Moppeds die sich mit geknattert und gequalme voellig losgeloest durch den Verkehr bewegen und nur Staub und quergestellte Autos hinterlassen. All die Esel und Pferdekarren lassen sich von dem Treiben gar nicht beeinflussen. Doch am heroischsten sind die Maenner mit einem grossen Handkarren, auf dem Muell, ein paar alte Fahrradschlaeuche oder auch mal ein einsamer schrottiger Kinderwagen liegen. Sie stuerzen sich voller Todesverachtung gelassen in fuenfspurige Kreisverkehre um ihre Ware woanders nicht loszuwerden. Das ist es wohl, dass in Marokko das grosse, explosive Konfliktmaterial birgt. Die soziale Ungerechtigkeit. Es gibt keine Kranken oder Arbeitslosenversicherung, ein Sozialnetz ist nicht vorhanden. Dennoch, die Furcht vor Zustaenden wie derzeit in Libyen ueberwiegt. In den Strassen wird viel darueber geredet. Niemand will den Umsturz. Keiner will Revolution. Vielleicht die ein oder andere Verbesserung oder hier und da etwas mehr Gerechtigkeit und weniger Korruption. Aber was hier ein paar Tausend Menschen auf die Strassen getrieben hat, kann keiner verstehen mit dem ich gesprochen habe.
1.3.11 11:14
 



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