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CASABLANCA

Hallo

ich bin Gestern nach einem langen aber ruhigen Flug sicher in Casablanca gelandet. Nach nur kurzem suchen habe ich quch eine schoene Unterkunft zu moderatem Preis gefunden.

Heute Morgen bin ich dann auch schon um halb 8 aufgestanden und bin mit dem Taxi in die Naehe einer bei Googlemqps eingezeichneten Synagoge gefahren. Mit etwas rumfragerei habe ich dann tatsaechlich gegen halb 9 eine huebsche kleine Synagoge gefunden. Es bedurfte auch gar nicht so grosser Ueberredungskunst um eintreten zu duerfen. Im Inneren sassen bereits vier Herren fortgeschrittenen Alters; allesamt bestens gekleidet in modische Anzuege die quch in der Moenckebergstr. nicht deplaziert zirken wuerden.

Ich habe mich natuerlich sofort an die kleine Runde in Damaskus erinnert gefuehlt. Nur das diese ?enschen nicht gleich auf den ersten Blick so totgeweiht, sondern sehr selbstbewusst und wohlsituiert wirkten. In der kleinen Runde fingen sie dann einer nache dem anderen qn etwas vor sich hinzubeten und aus der Thora zu lesen. Alle wirr durcheinander und zwischendurch ging der eine oder andere auch noch mal kurz raus oder wandte sich an ,ich und erzqelhte ein bisschen.

Die juedische Gemeinde Marokkos hatte vor 65 Jahren wohl an die 200.000 Mitglieder, die dann im Laufe der anwaehrenden Konfliktsituation zwischen dem neu gegruendeten israelischen Mutterstaat und der arabischen Welt zunehmend emigiert sind. Die reicheren wandten sich in die USA, nach Kanada oder Frankreich, die aermeren zog es nach Israel wo sie eine Chance im absoluten Neuanfang in einer steil austrebenden Nation sahen. Heute leben in Marokko noch an die 2000 Juden. Dennoch, da sie einst so viele waren, blieb die Infrqstruktur bestehen. Fuer die gut 1000 Juden die Heute in Casablanca leben gibt es etwa 35 Synagogen. Zum Teil in direkter Nachbarschaft.

Um Neun begann dann der eigentliche Gottestdienst. 20 Minuten spaeter begann sich der Saal schliesslich zu fuellen bis um Zehn der Hoehepunkt der Anwesenheit erreicht war und die kleine Synagoge mit etwa 40 Glaeubigen gut gefuellt war. Sogar drei unter zwanzig jaehrige waren anwesend. Mein Sitznqchbar, kurz von seinem ziemlich tiefen Nickerchen erwacht, erklaerte mir:

Die Kinder machen hier ihre Schule, aber was sollen sie danach noch in Marokko, sie haben mehr und bessere Moeglichkeiten im Ausland. "Keiner bleibt hier!" Und dann waehlt er aauf zer alles aus der Gemeinde wieviele Kinder in Frankreich, den USA und in Israel habe.

Ein 15 jaehiger Junge setzt sich neben mich, waehrend des gesamten Gottesdienstes bewegen sich die Gemeindemitgleider sehr frei durch die Synagoge, begruessen Neuankoemmlinge oder verabschieden Gehende. Der Junge, erzaehlt von seiner juedischen Schule, dass er ein IPhone und ein Blackberry, eine XBox und ueber 180 gecrackte Spiele {es handelt sich dabei um den neusten Kram aus der Computer und Spieleindustrie, anm. d. A.} besitwt un d auf eine der besten Schulen des Landes geht. Und er ist der Klassenbeste.

Zwischen dem allseits bekannten recht eintoenigen und nicht besonders harmonisch oder melodisch klingenden Sprechgesang aus der Synagoge, gibt es ein paar Momente in denen Gott durch den Klang in die Synagoge wu kommen scheint. Ein Mann um die 40 hebt mit einer derart klingenden Stimme zu singen an, und nimmt arabische Stilelemente auf waehrend sich sein Stimme den Weg in den Himmel zu naeandern scheint. Die tiefen Passagen zerden verstaerkt durch einen etwa 60 jaehrigen der sich aber zurueckhaelt. Und dann auf einmal uebernimmt ein kleiner Junge, noch lang vor dem Stimmbruch das Klangnetz, das inzwischen durch die ganze Synagoge gespannt ist. Mit geschlossenen Augen kann Man sich nicht sicher sein, ob man die Stimmen der Engel hoert oder einen traurigen Jungen irgendwo in Nordafrika der allein neben dem Spielfeld sitzt und den anderen Jungen beim Fussballspielen zusieht. In diesen Momenten schafft es die ganze Gemeinde ruhig zu sein. Viele lauschen mit geschlossenen Augen, andere wirken widerum voellig unberuehrt. Dennoch, ich glaube mein Sitznachbar hat in diesen Momenten vom Paradies getraeumt.

Ansonsten nimmt der Gottesdienst seinen langsamen Lauf, und als gegen Zehn die Synagige gefuellt ist beginnen auch die ersten schon wieder zu gehen. Als der Gottesdienst gegen Elf vorbei ist, sind wir wieder nur zu acht.

Von dem Jungen, mit dem ich mich schon waehrend des Gottesdienstes unterhalten hatte, die ganze Zeit ueber war der Gottesdienst von einem anhaltenden Gemurmel unterlegt, das nur zwischendurch durch das Rotzen, Husten und Roechln der alten Maenner unterbrochen wurde, liess ich mich nachher noch zur grossen Synagoge fuehren. Bet-el ist eine neue grosse Synagoge die mit allem an Reichtum geschmueckt ist, was man sich denken kann.

Bilder oder Klangaufnahmen durfte ich leider nicht machen, nicht mal Notizen. Alles verboten am Sabbat. Aber nachher, um halb 6 gehe ich zum Abendgottesdienst und im Anschluss daran darf ich "arbeiten".

Morgen koennt Ihr also zahrscheinlich schon Bilder sehen.

26.2.11 17:17
 



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