MEINE WELT: REISEBLOG

 

* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Themen
     JORDANIEN
     MAROKKO
     SYRIEN






ZUR LAGE DER NATION II

Hallo, ich bin nach meiner Ankunft mit dem Zug vom Flughafen in die Stadt gefahren und habe dort einen berliner Professor getroffen der einen ehemaligen Schueler in Casablanca besuchen fuhr. Dieser ehemalige Student begruesste uns am Bahnhof mit den Zorten: Willkommen im Kriegsgebiet! Das war natuerlich als Scherz gemeint. Marokko treibt so friedlich vor sich hin wie eh und jeh. Wenn man mal von all den kleineren Konflikten wie der Besetzung der Westsahara und der strukturellen Benachteiligung der berberischen Bevoelkerung und vor allem der imensen sozialen Kluft absieht. Die soziale Kluft spiegelt sich vor allem in den Autos wieder. Der Durchschnitt der Autos hier in Casablanca entspricht ungefaehr dem Durchschnitt in Hamburg oder Berlin. Ueberall neue Autos. Vielleicht ein paar mehr asiatische Produkte. Aber neu. Permanent kriegt man die neuesten Porsches, Jaguare, BMWs und Mercedesse vorgefuehrt. Ueberall die grossen modernen Gelaendewagen von Audi, VW und Porsche und zwischendurch auch mal ein Ferrari oder Lamborghini. Im Gegensatz dazu stehen die offiziellen Fahrzeuge. Taxen, Polizeiautos und Krankenwagen scheinen vor zwanzig Jahren in ihrem Herkunftsland Korea ausgemustert worden zu sein. Hin und wieder sieht man auch LKWs die direkt aus Indien importiert zu sein scheinen. Da funktionieren die Bremsen nur noch mit vielen Gebeten und Fluechen. NAtuerlich gibt es auch viele private Fahrzeuge die dem offiziellen Niveau entsprechen. So gibt es z.B. eine ganze Armada von nur knapp praemortalen Moppeds die sich mit geknattert und gequalme voellig losgeloest durch den Verkehr bewegen und nur Staub und quergestellte Autos hinterlassen. All die Esel und Pferdekarren lassen sich von dem Treiben gar nicht beeinflussen. Doch am heroischsten sind die Maenner mit einem grossen Handkarren, auf dem Muell, ein paar alte Fahrradschlaeuche oder auch mal ein einsamer schrottiger Kinderwagen liegen. Sie stuerzen sich voller Todesverachtung gelassen in fuenfspurige Kreisverkehre um ihre Ware woanders nicht loszuwerden. Das ist es wohl, dass in Marokko das grosse, explosive Konfliktmaterial birgt. Die soziale Ungerechtigkeit. Es gibt keine Kranken oder Arbeitslosenversicherung, ein Sozialnetz ist nicht vorhanden. Dennoch, die Furcht vor Zustaenden wie derzeit in Libyen ueberwiegt. In den Strassen wird viel darueber geredet. Niemand will den Umsturz. Keiner will Revolution. Vielleicht die ein oder andere Verbesserung oder hier und da etwas mehr Gerechtigkeit und weniger Korruption. Aber was hier ein paar Tausend Menschen auf die Strassen getrieben hat, kann keiner verstehen mit dem ich gesprochen habe.
1.3.11 11:14


Casablanca Juedisches Museeum

Hallo,

heute habe ich meinen halben Tag damit verbracht das juedische Museeum in Casablanca zu besuchen. Auch wenn ein Grossteil des Besuchens ein Suchen war.

Das Museeum liegt weit ausserhalb der Innenstadt in einem Villenvorort Namens Oasis. Ich bin dort mit dem Taxi eine halbe Stunde hingefahren und weil der Taxifahrer einmal in Oasis mir auch nicht weiter helfen konnte, bin ich in ein anderes Taxi gewechselt. Der Fahrer meinte, dass er genau wisse wo ich hin muss. Eine mehrdeutige Aussage... Mit dem bin ich dann wieder eine halbe Stunde gefahren. Und als ich ausstieg und mich orientiert hatte, musste ich feststellen, dass ich wieder bei den Synagogen in der Innenstadt stand.

Also hab ich ein Internetcaffe aufgesucht, das ganze bei Googlemaps gesucht, ausgedruckt und mich damit wieder in ein Taxi gesetzt. Die Karte, die das Museeum ebenfalls, sammt der ganzen Strasse eher mittelkorrekt lokalisiert, hat uns wenigstens so nah ran gebracht, das wir uns durchfragen konnten. Noch mal eine Stunde Taxi.

Schliesslich sind wir da. Ich stehe in einem Villenviertel, das Taxi braust mit meinen ueberteuerten 10 Euro davon, mir gegenueber zwei Wachmaenner. Das Ziel? Nein. Nur eine juedische Schule. Doch es ist nicht mehr weit. Noch eine viertel Stunde zu Fuss und ich bin tatsaechlich am Museeum.

Das reizt mit einem Charme der an die schlichten Gebaeude von Wright erinnert, in der Natur und Architektur einander ergaenzen. Vor dem strahlendblauen Himmel koennte es auch eine Villa in Californien sein. Doch, ist es nicht.

Es ist das einzige Museeum juedischer Geschichte auf arabischem Boden. Es besteht primaer aus drei kleinen Saelen, die absolut dem californischen Standard entsprechen und enthaelt hauptsaechlich Fotografien eines kanadischen Juden und Fotographen Names Cohen. In den Bildern haelt er die Erinnerung an die marokkanischen Juden der 60 Jahre wach. Eine Erinnerung an Atlantis.

Ansonsten sind noch einige Gegenstaende ausgestellt und zwei winzige Synagogen, deren Gemeinden veroedet sind und die dann von der Gesellschaft zur Erhaltung der juedisch Marokkanicshen Kultur ins Museeum gebracht und dort ausgestellt wurden.

Karte

28.2.11 21:32


Casablanca Gestern

Hallo,

leider konnte ich gestern nicht schreiben, weil die Internetcaffes geschlossen hatten. Ich hatte auf jeden Fall einen schoenen und interessanten Sonntag. Ich hab mich morgens gegen halb zehn auf den Weg gemacht und bin dann erst durch die Hauptmedina (Innenstadt) bis zur grossen Moschee Hassan II. Der KIoenig HAssan II, der Vater des jetzigen Koenigs Mohammed VI, hatte irgendwann in den 60ern beschlossen Casablanca sein Siegel aufzupressen und der Stadt das lange vermisste Wahrweichen zu geben.

Die Moschee gilt Heute als die groesste Moschee Nordafrikas und die drittgroesste der Welt. Auf einem Felsvorsprung ueber das Meer hinausragend hat die Moschee gerade bei Nacht fast etwas traumaehnliches, wie sie orange illuminiert ueber der dunklen Brandung schwebt, ihr Minarett gewaltige 200 Meter in den tiefen Nachthimmel streckend.

Dort bei der Moschee habe ich noch einen jungen Mann getroffen, der mich den Rest des Tages entlang des Meeres gefuehrt hat. Bis zu einem weit entfernten Felsen im Meer, der nur bei Ebbe zu erreichen ist auf dem ein winziges Dorf lebt. Oben herrschen recht rustikale Zustaende gepaart mit einer ganzen Reihe Touristen. Ein junger Mann hat etwas mit einem Huhn gespielt und dann hab ich nur gesehnm wie es ganw ruhig im Sand sass und ein duenner Strahl aus seinem Hals spritzte. Bis es umfiel. Dann fing das sprichwoertliche rumgehuepfe undgeflattere an. Schliesslich lag das Huhn tot im Sand. Als wir spaeter gingen lag es immer noch da. Ganz nah bei einem anderen.

Obwohl die Sonne sich nur zwischendurch fuer wenige Augenblicke sehen liess, habe ich mir bei dem Kuestenspaziergang einen soliden Sonnebrand abgeholt. Das war echt depriemierend. Seit dem Creme ich mich gefuehlt alle viertel Stunde ein.

28.2.11 21:13


CASABLANCA

Hallo

ich bin Gestern nach einem langen aber ruhigen Flug sicher in Casablanca gelandet. Nach nur kurzem suchen habe ich quch eine schoene Unterkunft zu moderatem Preis gefunden.

Heute Morgen bin ich dann auch schon um halb 8 aufgestanden und bin mit dem Taxi in die Naehe einer bei Googlemqps eingezeichneten Synagoge gefahren. Mit etwas rumfragerei habe ich dann tatsaechlich gegen halb 9 eine huebsche kleine Synagoge gefunden. Es bedurfte auch gar nicht so grosser Ueberredungskunst um eintreten zu duerfen. Im Inneren sassen bereits vier Herren fortgeschrittenen Alters; allesamt bestens gekleidet in modische Anzuege die quch in der Moenckebergstr. nicht deplaziert zirken wuerden.

Ich habe mich natuerlich sofort an die kleine Runde in Damaskus erinnert gefuehlt. Nur das diese ?enschen nicht gleich auf den ersten Blick so totgeweiht, sondern sehr selbstbewusst und wohlsituiert wirkten. In der kleinen Runde fingen sie dann einer nache dem anderen qn etwas vor sich hinzubeten und aus der Thora zu lesen. Alle wirr durcheinander und zwischendurch ging der eine oder andere auch noch mal kurz raus oder wandte sich an ,ich und erzqelhte ein bisschen.

Die juedische Gemeinde Marokkos hatte vor 65 Jahren wohl an die 200.000 Mitglieder, die dann im Laufe der anwaehrenden Konfliktsituation zwischen dem neu gegruendeten israelischen Mutterstaat und der arabischen Welt zunehmend emigiert sind. Die reicheren wandten sich in die USA, nach Kanada oder Frankreich, die aermeren zog es nach Israel wo sie eine Chance im absoluten Neuanfang in einer steil austrebenden Nation sahen. Heute leben in Marokko noch an die 2000 Juden. Dennoch, da sie einst so viele waren, blieb die Infrqstruktur bestehen. Fuer die gut 1000 Juden die Heute in Casablanca leben gibt es etwa 35 Synagogen. Zum Teil in direkter Nachbarschaft.

Um Neun begann dann der eigentliche Gottestdienst. 20 Minuten spaeter begann sich der Saal schliesslich zu fuellen bis um Zehn der Hoehepunkt der Anwesenheit erreicht war und die kleine Synagoge mit etwa 40 Glaeubigen gut gefuellt war. Sogar drei unter zwanzig jaehrige waren anwesend. Mein Sitznqchbar, kurz von seinem ziemlich tiefen Nickerchen erwacht, erklaerte mir:

Die Kinder machen hier ihre Schule, aber was sollen sie danach noch in Marokko, sie haben mehr und bessere Moeglichkeiten im Ausland. "Keiner bleibt hier!" Und dann waehlt er aauf zer alles aus der Gemeinde wieviele Kinder in Frankreich, den USA und in Israel habe.

Ein 15 jaehiger Junge setzt sich neben mich, waehrend des gesamten Gottesdienstes bewegen sich die Gemeindemitgleider sehr frei durch die Synagoge, begruessen Neuankoemmlinge oder verabschieden Gehende. Der Junge, erzaehlt von seiner juedischen Schule, dass er ein IPhone und ein Blackberry, eine XBox und ueber 180 gecrackte Spiele {es handelt sich dabei um den neusten Kram aus der Computer und Spieleindustrie, anm. d. A.} besitwt un d auf eine der besten Schulen des Landes geht. Und er ist der Klassenbeste.

Zwischen dem allseits bekannten recht eintoenigen und nicht besonders harmonisch oder melodisch klingenden Sprechgesang aus der Synagoge, gibt es ein paar Momente in denen Gott durch den Klang in die Synagoge wu kommen scheint. Ein Mann um die 40 hebt mit einer derart klingenden Stimme zu singen an, und nimmt arabische Stilelemente auf waehrend sich sein Stimme den Weg in den Himmel zu naeandern scheint. Die tiefen Passagen zerden verstaerkt durch einen etwa 60 jaehrigen der sich aber zurueckhaelt. Und dann auf einmal uebernimmt ein kleiner Junge, noch lang vor dem Stimmbruch das Klangnetz, das inzwischen durch die ganze Synagoge gespannt ist. Mit geschlossenen Augen kann Man sich nicht sicher sein, ob man die Stimmen der Engel hoert oder einen traurigen Jungen irgendwo in Nordafrika der allein neben dem Spielfeld sitzt und den anderen Jungen beim Fussballspielen zusieht. In diesen Momenten schafft es die ganze Gemeinde ruhig zu sein. Viele lauschen mit geschlossenen Augen, andere wirken widerum voellig unberuehrt. Dennoch, ich glaube mein Sitznachbar hat in diesen Momenten vom Paradies getraeumt.

Ansonsten nimmt der Gottesdienst seinen langsamen Lauf, und als gegen Zehn die Synagige gefuellt ist beginnen auch die ersten schon wieder zu gehen. Als der Gottesdienst gegen Elf vorbei ist, sind wir wieder nur zu acht.

Von dem Jungen, mit dem ich mich schon waehrend des Gottesdienstes unterhalten hatte, die ganze Zeit ueber war der Gottesdienst von einem anhaltenden Gemurmel unterlegt, das nur zwischendurch durch das Rotzen, Husten und Roechln der alten Maenner unterbrochen wurde, liess ich mich nachher noch zur grossen Synagoge fuehren. Bet-el ist eine neue grosse Synagoge die mit allem an Reichtum geschmueckt ist, was man sich denken kann.

Bilder oder Klangaufnahmen durfte ich leider nicht machen, nicht mal Notizen. Alles verboten am Sabbat. Aber nachher, um halb 6 gehe ich zum Abendgottesdienst und im Anschluss daran darf ich "arbeiten".

Morgen koennt Ihr also zahrscheinlich schon Bilder sehen.

26.2.11 17:17


ZUR LAGE DER NATION

Marokko wurde bisher ein einziges Mal in den deutschsprachchigen Nachrichten im Zusammenhang mit den Protesten erwähnt.

Am 20.02.11 war es in Marokko zu ersten Aufständen gekommen, die sich quer durchs ganze Land zogen. Nach Angaben von Medienvertretern und Mitgliedern der Regierung hatten sich in den jeweiligen Städten zwischen 100 und 3.000 Demonstranten zum "Tag des Stolzes" versammelt um gegen Korruption und Misswirtschaft zu demonstrieren.

Das man solchen Aussagen aber nicht immer trauen kann sieht man allerdings an der Aussage des marokkanischen Inneministers, dass bei den Protesten etwa 120 Menschen verletzt worden seien, 115 davon Sicherheitsbeamte. Diese Zahlen lassen doch eine starke Färbung der Tatsachen vermuten. Auf der anderen Seite schreibt das Online Magazin "Rote Fahne News" von Millionen Protestierenden. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Wer sich genauer mit der dortigen Lage befasst hat wird auf die Nachricht gestoßen sein, dass fünf Menschen bei Protesten ums Leben gekommen sind. Tatsächlich sind diese fünf Menschen noch innerhalb einer Bank gewesen als diese von Demonstranten angezündet wurde. Man kann wohl davon ausgehen, dass es sich dabei eher um ein tragisches Versehen als um perverse Mordlust handelt.

Insgesamt laufen die Proteste auch nach Angaben von Amnesty International und Human Rights Watch vergleichsweise harmlos ab. Hier und dort brutaler Schlagstockeinsatz, da muss mal einer ins Krankenhaus und hier fängt einer an zu bluten. 

Immerhin handelt es sich bei dem marrokanischen König Mohammed VI um eine allseits relativ beliebte Person, die was die Grausamkeit betrifft in einer völlig anderen Liga als Gaddafi und Mubarak spielt. Nicht umsonst heißt es "Tag des Stolzes" und nicht wie in Ägypten "Tag des Zorns".

Übrigens passender Hörtipp: Dies Irae vor allem von Dvorak aber auch von Mozart. Da bekommen die Ereignisse in Ägypten noch einen apokalyptischen Wind ab....

 Dies Irae-Dvorak

 

24.2.11 13:03


Reisebeginn

Hallo,

Morgen am 25.02.2011 werde ich, mit größter Wahrscheinlichkeit nach Marokko aufbrechen. Ich habe einen Direktflug mit der Royal Air Maroc von Berlin Tegel (17:15) nach Casablanca (20:15).

Wie inzwischen bereits gewohnt, werde ich euch während meiner Reise über diesen Blog mit persönlichen Nachrichten von mir aber auch allgemeinen Hinweisen zur Lage in Nordafrika versorgen.

Sollte es bis zu meiner Rückreise am 14.03.11 wider Erwarten zu einer Eskalation in Marokko kommen, kann es durchaus passieren, dass, wie in Ägypten, Libyen und Tunesien teilsweise geschehen, das Internet und evtl. sogar das Telefonnetz vorrübergehend lahmgelegt wird. In diesem Falle gäbe es für mich keine Möglichkeit mehr mit euch in Verbindung zu treten. Die deutsche Botschaft hat mir allerdings zugesichert, dass in diesem Falle alle Deutschen binnen 48 Stunden die Möglichkeit zur Ausreise erhalten. Für den Notfall notiere ich euch noch die Adresse des Konsulats in Casablanca.

Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Consul Honoraire de la République féderale d'Allemagne, 310, Rue Haj Omar Riffi, 20120 Casablanca, Marokko

(00212 522) 450 545

 

Momentan jedoch erscheinen diese Szenarien wenngleich auch Möglich doch nicht überaus wahrscheinlich. Daher hoffe ich eine ruhige und dennoch spannende und aufregende Reise zu haben.

Geplant ist momentan eine dreiteilung meines Aufenthaltes.

Teil 1: Casablanca

- Besuch des einzigen Museums für jüdische Geschichte auf arabischem Boden.

- Besuch der jüdischen Gemeinde und hoffentlich längerer Kontakt

- Martini in Ricks Caffe

- Kurzes Treffen mit Humphrey Bogart

Teil 2: Marrakesh

- Besuch der Synagoge und des jüdischen Friedhofs

- Die alten Suqs

Teil 3: Fes

- Besuch der Synagoge und des jüdischen Friedhofs

- Evtl. noch ein Abstecher ins etwa 100km nördlich gelegene blaue Städtchen Chefchaouen.  

Ende: Rückflug von Casablanca

 

Reiseroute auf Google Maps nachvollziehbar.

 

PS: Natürlich freue ich mich immer über eure Kommentare, Hinweise und Fragen. Alles Liebe und euch viel Spaß beim Lesen!

Benjamin

24.2.11 08:03


Wieder zurück...!

Gerade stelle ich fest, dass ich von hier aus Deutschland wieder einwandfreien Zugriff auf meinen Blog habe.... Die Spinnen die Syrer....

Hier noch schnell eine Rundmail die ich vor einigen Minuten geschrieben habe:

 

Hallo,
Am Mittwochmorgen bin ich nach langer und anstrengender Reise endlich in Hamburg am Flughafen angekommen.
Der Internetblog den ich ursprünglich mal für diese Reise installiert hatte ist mir allerdings bereits nach wenigen Tagen abgeraucht. Leider hatte ich keine Email Adressen bei mir. So kommt es, dass einge von euch, die vielleicht noch die ersten Tage meiner Reise mitverfolgt haben, den Rest nicht mehr haben mitverfolgen können.

Auch wenn ich zu einem abschließenden Reisebericht noch nicht in der Lage bin, kann ich doch sagen, dass sich die Reise in jedem Fall gelohnt hat, dass sie spannend war und dass ich viel erlebt habe.
Dass ich mich nach meiner Heimkehr nicht früher gemeldet habe liegt nur daran, dass ich mir in meinen letzten beiden Tagen in Syrien ein schönes Mitbringsel eingesteckt habe. Salmonellen oder irgendeine Lebensmittelvergiftung.
Eine mögliche Ursache für dieses heftige Unwohlsein, liegt in einer tiefwurzelnden islamischen, vielleicht schon vorislamischen Tradition, die den Islam als wahre Wüstenreligion kennzeichnet. Im Koran heißt es ungefaehr "Für jeden Schluck Wasser, den du an meiner Tür trinkst, trinke ich einen Schluck Wasser im Himmelreich. Deshalb haben manche religiöse Haushalte außen an ihren Häusern einen Wasserhahn in einer Nische angebracht. Meist durch eine zarte Metallkette mit dem Wasserhahn verbunden, steht ein kleiner meist metallener Becher. Jeder, der vorbeigeht, spült den Becher kurz mit etwas Wasser aus und nimmt dann drei tiefe Züge von dem in der Wüste so wertvollen Gut. In der Wüste wohl eine passendere Tradition als in einer Millionenstadt wie Damaskus....
Jedenfalls war der Flug nach Deutschland mehr als nur beschissen. Jetzt immerhin hat sich das Fieber langsam gesenkt und der Verdauungstrakt beruhigt.

Nun endlich wieder "gesund" zurück in Deutschland!

Benjamin

 

7.5.10 16:28


ArRaqqah

Bin hier bei einer netten Familie untergekommen. Hab im Zug von Aleppo einen Studenten getroffen, der mich mit zu seiner Familie genommen hat. Die Veranstalten hier ein Volksfest oder so fuer mich. Gerade sitzen etwa 7 Leute um mich rum und reden auf mich ein. Insofern mir gehts gut. Bis bald
19.4.10 15:51


18.04.2010 Aleppo

Hallo,

dass ich gestern nicht geschrieben habe, ist ganz einfach darauf zurueckzufuehren, dass ich so ueberzeugt vom syrischen Ueberwachungsstaat war, dass als ich Myblog.de nicht mehr finden konnte, ich nicht darauf gekommen bin, dass ich die Falsche Adresse fuer die WEbsite eingegeben habe, sondern dachte, die Syrer haetten mir das Internet beschnitten.

Die Ueberwachung ist schon auffaellig. Um ins Internetcaffe zu duerfen, muss man den Pass abgeben, die notieren und speichern alles. Als ich eben eine syrische Simkarte gekauft habe, wurde auch eine Kopie meines Passes gemacht. Und direkt danach eine SMS mit meinem Namen und meiner Passnummer an irgendwen verschickt.

So aber zurueck. Vorgestern abend habe ich einen Englischlehrer aus Aleppo getroffen. Er sass auf einer Mauer vor dem grossen Sheraton Hotel. Auf erstaunlich gutem englisch sprach er mich an als ich an ihm vorbei ging und fragte ob ich mich zu ihm setzten wolle. Angezogen von dem Klang der englischen Sprache in mehr Facetten als Hello - Chau ar ju setzte ich mich zu ihm. Bisher habe ich hier noch niemanden getroffen, der zuhoert. Und so erzaehlte er mir bestimmt zweieinhalbstunden von der syrischen Geschichte. Seine besonderes Augenmerk lag bei seinen Erzaehlungen immer auf den letzten 40 Jahren und der Rolle der Frau. Er erzaehlte von den syrischen 68ern die auch Anfang der der 70er gewesen sein muessen. Damals so erzaehlte er haetten die Frauen kurze Roecke getragen, in den grossen Staedten natuerlich, enge T-Shirts und durchsichtige Struempfe. Schwaermerische Blicke begleiten diese Erzeahlungen. "Damals waren wir frei! Freier als heute. Wir waren so voller Hoffnung und Kraft!" Spaeter verglich er die Syrer in den 70ern mit Verliebten. "Wir waren verliebt. Verliebt in die Vision eines neuen Syriens!" Ein Aechzen. "Wir sind betrogen worden. Syrien hat uns betrogen. Wir haben ihr alles gegeben. Kraft, Zeit, Energie, Liebe. Wir gaben ihr unser Leben." Ratib fragt mich ob ich ihn zu ihm nach Hause auf einen Tee begleiten will. Ich willige ein. Es ist bereits um Mitternacht als wir durch die im dunkeln liegenden, verwinkelten Gassen der Altstadt gehen. "Was haebn wir zurueck bekommen?..." ER stoesst die niedirge und verbogene Stahltuer auf die in seinen Innehof fuehrt. Ein wunderschoener Innenhof. Darueber ein tiefblauer, sternloser Himmel. Um uns herum zweistoeckige Gebaeude und Pflanzen. Er erlauetert, dass hier eine Ledermanufaktur sei, dort noch eine und oben ein Tuchmacher. Insgesamt sechs erqwachsene und Ebensoviel Teenager arbeiteten hier, sagt er und deutet vom Keller des einen Hauses bis in das Obergeschoss des anderen Hauses. Bevor er das Vorhaengeschloss an der Stahltuer zu seiner Wohnung aufschluiesst entscvhuldigt er sich: "I live a verry simple Life...". mit einem kraeftigen tritt stoesst er die Tur auf. dahinter liegt das Heim eines syrischen Grundschullehrers. Ein Raum. Im grellen Licht einer einzigen Neonroehre sieht man ueberdeutlich den Putz von den Waenden broeckeln und die Farbe sich in grossen Placken von der Wand abschaelen. Direkt neben der Tuer ist ein Brett augebockt, darauf ein Gaskocher, eine Teekanne, eine Tasse, ein Loeffel und eine Wasserflasche. Ansonsten noch etwas Dreck und Zigarettenstummel. Waehrend Ratib rausgeht um fuer mich seine Tasse zu saeubern, Wasser gibt es nur im Hof, eine Toilette nur bei den NAchbarn, sehe ich mich in dem Raum um. In der anderen Ecke des Raumes liegen auf dem Boden ein paar Decken, daneben ein randvoller Aschenbecher. Dann gibt es noch zwei kleine Nischen. in der einen liegt eine ausgequetschte Tube Schuhcreme und in der anderen, neben dem Bett, liegen zwei, drei Buecher und ein Wecker. Auf dem Boden liegt ein Tepich aus Plastikschnueren, so wie es manche Gartenstuehle als Sitzflaeche haben. Die Decke, eigentlich nur mehrere Holzbalken mit Dachschindeln darauf ist durch eine grosse orientalisch bemalte Plastikplane weite4stgehend verdeckt.

Ratib erzaehlt, dass er ein Gehalt von 12.000 SP hat, das sind 200Euro. Pro Monat. Knapp fuenfzig zahlt er fuer seine Wohnung.

Oben, auf der Terasse, waehrend ich meinen Tee trinke und er eine Zigarette nach der anderen raucht beginnt er wieder zu erzaehlen. Er erzaehlt von seiner kommunistisch bewegten Studienzeit in Damaskus. "Ich war verliebt! Wir sahen Syrien auf dem Weg in den Westen. Selbst Moskau war fuer uns der Westen. Wir waren auf dem Weg in eine neue und Moderne Welt!" Eine schnauben, ein Mix aus resignation und Humor. "Wir wurden betrogen. Der Dollar hat uns betrogen. Amerika hat uns bezahlt dafuer, dass wir uns wieder auf unsere Wurzeln besinnen, uns wieder auf den Islam konzentrieren. Wir sollten dem Kommunismus und unserer Freiheit abschwoeren. Wir haben Filme gesehen. Wir wollten Humphrey Bogart sein, James Bond... Und was ist aus uns geworden? Wir haben wder Dollar noch Freiheit. Wir sind ein armes Land."

Zum Abschied verabreden wir uns fuer den naechsten Tag um vier Uhr. 

Ich treffe ihn wieder auf der selben Mauer vor dem Sheraton, rauchend. Waehrend wir in ueber drei Stunden rund um die Altstadt gehen, beginnt er wieder zu erzaehlen.

"Siehst du die Frauen da? Oh how black they are... Wir waren frei, damals. Aber irgendwie sind diese Frauen auch wenn sie vollverschleiert sind, frei. Freier als man denkt. Damals trug meine Schwester Miniroecke. Jetzt ist sie verschleiert." Er beginnt von Ritualen und Regeln im Leben zwischen Maennern und Frauen zu erzaehlen. Er ist zwei mal geschieden und hat keine Kinder. "Ich bin frei! Ich vermisse nichts, kein Geld und keine frau. Kinder. Ich beneide die Maenner meines Alters um ihre Soehne. Weisst du, hier, wenn du einen Sohn hast, dann gehoert er dir. Du HAST einen Sohn."
Er erzaehlt von Symbolen, die hier genutzt werden um Begehren auszudruecken. "Es ist das gleiche wie bei euch. Du weisst, wenn ein Mann und eine Frau zusammen sind... " Er sieht mich verschmitzt an. "Aber bei uns ist es versteckt. Its a deep secret. Nobody knows."

Er erzaehlt mir von Ishtar, der Preislamischen Goettin der Fruchtbarkeit. Ishtar hat in ihrer mytischen Bedeutung den Zahlenwert 10, auf arabisch ashra. Das Wort leitet sich von Ishtar ab. Genau wie das Wort fuer Sex, ishra. Der Unterschied in der Aussprache ist fuer einen fremden kaum zu hoeren. "Wir nutzen hier solche Paralleln: Kannst du mir helfen? Ja, ich bin in zehn Minuten bei dir..." Er erzeahlt von der Augensprache. "Nichts geht ohne die Augen. Du musst deine Augen sprechen lassen und lernen die Augen zu lesen." Auch mystische Bedeutungen der Hand erklaert er. Irgendetwas uber die Verbindung aus Farben und Zahlen der Finger. Der Daumen z.B. ist weiss, was irgendwo aus der Richtung Daumenlutschen und Muttermilch herkommt. Weiss ist Frieden. Man zeigt den Daumen um zu zeigen: Alles gut, zwischen uns herrscht Frieden. Der Daumen hat auch etwas von Wahrheit. Der Fingerabdruck, der sichere Beleg fuer deine Zustimmung. So ganz habe ich diesen Teil seiner Ausfuehrungen nicht verstanden.

Wahrenddessen bewegen wir uns entlang der Grenze zwischen Altstadt und neuem Teil. Dabei, so erklaert er mir, bedeutet Altstadt nur eine Definition der UNESCO. Alt ist was innerhalb der Stadtmauern liegt. Aber auch da ist vieles neu. Er macht mich auf die Steine aufmerksam. Wer niht darauf achtet laesst sich leicht von den alten und engen Strassen taeuschen. Aber am Unteraschied der Steine sieht man, dass gerade in den armen und fuer Touristen uninterssanten Gegenden ueberall nachgebessert wurde, ganze Haeuser ersetzt wurden. Nur in dem Teil der Altstadt in dem die Touristendollars stecken, sind die alten Haeuser einigermassen gut erhalten, aber wirklich gut erhalten sind nur die Moscheen.

In einem der aermsten Gebiete durch die wir kommen, sehe ich, diejenigen die schon meinen Tuerkeiblog verfolgt haben, werden sich freuen, ploetzlich ein weisses Pferd. Inmitten von Aleppo. "In den 70er Jahren, als wir im Krieg mit Israel waren, haben wir viele Haeuser abgerissen um Bunker zu bauen. Ueberhaupt wollten wir in jener Zeit neue bessere Haeuser und Strassen haben. Wir haben damals sogar gefordert, mit lauten Stimmen gefordert, die Moscheen in Krankenhaeuser und Schulen umzubauen. Niemand hat damals auf Denkmalschutz und Geschichte geachtet."
Im Schatten eines kleinen Baumes steht genau auf einem solchen Platz, die Eingaenge zu  unterirdischen Bunkern zieren diese Pockennarbe der alten Stadt, ein rippiges und nicht so ganz gesundes, aber strahlend weisses Pferd. Rechts und links rasen die moerderischen Autos von Damaskus entlang.

Der verkehr hier ist der wahnsinn. Ruhigen Schrittes beschreitet man eine ungefaehr vierspurige Strasse auf der die Autos nur so entlangschiessen. Da es hier sowieso keine Spurbindung gibt fliesst der Verkehr um einen Herum als waere man ein Fels in einem reissenden Fluss. Die Autos fahren mit einer praezision das einem schlecht wird. Auf wenige Zentimeter wird hier aufgefahren. Autos fahren einfach in den fliessenden Queverkehr. Es ist ein halt- und rgelloses Gewirr, in dem jeder nur schaut: Passt es oder passt es nicht? Sind die Autos schmal, kann vielleicht der sechste den fuenften noch rechts uberholen, obwohl die Strasse nur vier Spuren bietet.

Irgenwann kommen wir auf unserem Weg durch die Altstadt an dem geoeffneten Tor zu einer Seifenfabrik vorbei. Eine franzoesische Gruppe verschwindet gerade darin. Wir folgen unauffaellig. Irgendwann hoere ich die Fuehrerin sagen, dass ueber diese Fabrik kuerzlich ein Film gedreht wurde. Den Film habe ich tatsaechlich vor knapp einem Monat auf Phoenix gesehen.

Naja, und jetzt werde ich gleich mit dem Zug nach Ar Raqqah fahren. Ich melde mich sobald ich wieder kann!

beste Gruesse

Benjamin

 

 

18.4.10 12:16


16.04.2010 Aleppo

Hallo,

zunaechst noch ein kleiner Nachtrag zu gestern. Mit dem unbekannten fremden Pascha war ich noch erst im Sheraton Hotel um auf Klo zu gehen.... Echt heftiges Hotel.... UNd dann war ich noch mit ihm im Gericht, weil er irgendwelche Papiere fuer seine Laendereien beantragen musste. Er meinte er habe ueber einen Monat warten muessen um den Kram ueberhaupt in die Haende eines Anwalts druecken zu duerfen. Und viel Geld "fuer die Kinder" des Anwalts sei geflossen. Allein als ich da war ungefaehr 100 Euro.

Heute bin ich nach dem aufstehen erst einmal durch den alten Suq Aleppos zur Zitadelle gegengen. Der Suq ist Komplett ueberdacht und hat aenlich wie eine alte Innenstadt grosse und saubere Hautstrassen und kleine dunkle Nebengassen. Der Suq ist fuer jeden Fremden ein undurchdringliches Labqrinth und wurde wenn ich meinen Freund von gestern richtig verstanden habe auch zur Verteidigung und im Kampf gegen die franzoesische Kolonialbesetzung genutzt. Heute Vormittag als ich da war, gab es noch so gut wie keinen Betrieb, die meisten Laeden waren geschlossen. Auf einmal kam ein wirklich schmieriger, unheimlicher Typ auf mich zu und bedeutete mir ihm zu folgen. Mit ihm bin ich durch Verbindungsgassen gegangen, die so dunkel waren, dass ich ihn in seinem schwarzen Hemd nur einige Meter vor mir kaum noch von den uralten Mauern unterscheiden konnte. Die Wege waren so verschlungen und veraestel, dass ich schon nach weigen Minuten nicht mehr den gleichen Weg zurueck gefunden haette. Nicht einmal die Richtung haette ich angeben koennen. Ein wenig mulmig war mir schon, insbesondere als ich auf einmal mehrere Stimmen hoerte. Ploetlich wurde es heller. Die Mauern gingen auseinander und unvermittelt standen wir wieder auf einer der grossen uns sauberen hauptstrassen. Nur wenige Meter noch und wir waren am Ende des ueberirdischen Tunnels. Die etwas matte Sonne begruesste mich. Der Kerl zeigte mir noch in welche richtung die grosse Zitadelle sei und fragte mich noch ob ich einen Kaffee mit ihm trinken wolle. Als ich antwortete ich traenke keinen Kaffe verabschiedete er sich, gruesste noch freundlich und ging.
Er hatte mich wohl auf dem kuerzesten Weg duch den Suq zur Zitadelle gefuehrt.

Die Zitadelle selber laesst sich schwer beschreiben. Insbesondere als die dazu gehoerige Geschichte mir nicht praesent ist. Ausser dass die Zitadelle riesengross ist und ich froh bin, dass ich sie so einfach fuer kaum 2,5Euro besichtigen durfte anstatt sie erst einnehmen zu muessen, kann ich ohne Bilder nur wenig erzaehlen. Auf einem hochen und steilen Berg gelegen, dessen Flanken wohl frueher mit Glatten Felsplatten bedeckt waren, baut sich eine Burg mit hohen, glatten und dicken Mauern auf. Das ganze erstreckt sich auf ein Gebiet ungefaehr so gross wie der Hamburger Rathausplatz. Inklusive Rathaus. Der einzige Zugang zu dieser uneinnehmbaren Festung ist eine Felsbruecke, deren Anfang und Ende von zwei maechtigen Tuermen mit riesigen massiven Toren bewacht wird. Umgeben von den schuetzenden wohl 7-8meter hohen Mauern, befinden sich der Thronsaal von Aleppo. Ein grosser rechteckiger Saal mit einer fantastisch bemalten Decke, die schweren Holzbalken die das Dach stuetzen sind bunt und kunstfertig beschnitzt. Der Thronsaal liegt direkt ueber dem Eingang zur Festung, und seine grossen praerchtigen Fenster boeten einen majesaetischen Ausblick ueber die gesamte Ebene von Aleppo, waeren nicht ungefaehr 80% des Raumes gesperrt um den mit Intarsien geschmueckten Boden zu schuetzen.

Hinter dem Thronsaal erstreckt sich ein riesiges Ruinenfeld, ueber das die unzaehligen Besucher wie die Gazellen springen, ueber halb eingestuerzte Torboegen, durch inzwischen nach oben hin offene Gaenge, ueber Felsen und vereinzelte Saeulen.
Es gibt eine grosse und eine kleine Moschee, beide entweiht, bzw. in einen Teil der Ausgrabungsausstellung verwandelt. Frauen und Maenner gehen ungeniert mit Schuhen hinein, knipsen wie wild, posieren in den heiligen Gebetsnischen und verlassen dann laut lachend und redend das ehemalige Gotteshaus.
Den hoechsten Punkt in der gesamten Ebene von Aleppo bildet definitiv das Minarett der grossen Moschee der Zitadelle. Dieser Punkt bleibt den Besuchern allerdings verschlossen, genau wie ein vermutlich sehr grosser Teil des Areals. Immer wieder stoesst, wer danach sucht, auf verschlossene Tore und verriegelte Gitter. Viele Raeume werden erst von aussen anhand ihrer Fenster und Schiessscharten erkennbar. Fuer Besucher besteht die Kroenung des Ausblickes in einem uralten Aussichts und Festungsturm. Von dort aus laesst sich die gesamte heutige Grossstadt Aleppo ueberblicken. In frueheren Zeiten aber konnte man vermutlich ein schier unendlich weites Land ueberblicken. (Gerade reitet ein Junge auf einem Esel am Fenster vorbei. Wie ein Trugbild oder ein Popup treibt er durch die Peripherie meiner, auf die DSL Verbindung mit dem 21. Jahrhundert fixierten, Augen.)

Gegen hiesige zwoelf Uhr verliess ich das alte Bollwerk und machte mich auf den Weg ein Internetcaffe zu suchen. Ich folgte dabei dem Rat meines Freundes Arne, der die Stadt gut kennt. Allerdings hatte er sich scheinbar in der Himmelsrichtung geirrt. Je laenger ich ging, umso weiter entfernte ich mich von allem was nach Internet und 21. Jahrhundert aussah. Ich kam vorbei an riesigen Welsen die in einer leeren Badewanne in der Sonne am Strassenrand, und im Staub und Auspuffqualm der ganzen alten Kleinbusse und Minilkw. aus China und Japan, lagen. Ihre langen dicken Barthaare schienen einander fast zu schmeicheln, wie sich ihre langen Koerper aneinander schmiegten, wie sie sich gemeinsam sonnten. Nur eben Tod und stinkig. Viele kleine Werkstaetten auf meinem Weg. Was da teilweise ungeniert und im Licht der Sonne an reifen bearbeitet wurde, das verschlaegt einem den letzten Glauben an die vermeintliche Sicherheit des syrischen Verkehrs. Da wurden alte Autoschlaeuche aufgepumpt, die unter dem Luftdruck kantig  wurden und aus denen sich lauter kleinere und groessere Blasen auswoelbten - Um zu pruefen, ob die uebereinander geklebten Fahrradflicken wohl halten wuerden. Bereits tief in die Wohngebiete der Syrer eingedrungen, wollte ich mir etwas zu trinken kaufen. Ein halber Liter cola. Als ich bezahlen wollte, wies die gesamte im Laden versammelte Truppe das Geld zurueck, einer meinte auf englisch, ich sei ein Gast des Hauses. Beim naechsten Mal duerfe ich ja bezahlen. Aber heute sei ich eingeladen. Weiter nichts. Freundlich gruessend bin ich gegangen. Die Gruppe schien mih nach ihren letzten Gruessen bereits wieder vergessen zu haben, und war wieder tief in ihr Gespraech vertieft. Dann kam ich noch an einer kleinen Brotmaunfaktur vorbei. Mit einfachen Maschinen und viel Handarbeit wurde da der Teig geknetet und zu duennen Fladen geformt. Im Hintergrund konnte man das Feuer des Ofens sehen, in dem die Brote dann gebacken wurden. Direkt daneben ein Holzkohlehaendler, der nichts anderes hatte als verkohlte duenne Zweige.
Als ich hunger bekam ging ich zu einem Imbiss und bekam dort sehr leckere Pommes, tierisch versalzen, fuer 15 Syrian Pounds (SP). Der Wechselkurs ist eins zu ueber sechzig..... Also eine Portion Pommes fuer 25 Cent oder so. Kurios. In der Altstadt kann man duchaus europaeische Preise bezahlen. Anstatt, dass ich mit meiner Portion Pommes wieder verduften muste, wurde ich fast dazu genoetigt, mich hinter die Theke zu setzen, der Laden hatte weder Sitz- noch Stehplaetze. Obwohl ich da wirklich jedem im Weg stand laechelten mich alle freundlich an und redeten auf arabisch auf mich ein. Ein junge der in dem Laden arbeitete bot mir als ich aufgegessen hatte einen Schluck aus seiner Wasserflasche an.

Insgesamt bin ich fast erstaunt, wie positiv alle meine Erfahrungen mit den Menschen hier sind. Der Mann gestern, der schmierige Typ vom Suq, die Cola- und der Pommesverkaeufer.

Nur Internet scheint hier ein echtes Fremdwort zu sein. Wenn die Syrer nicht alle ihren eigenen Internetanschluss haben, dann leben die hier in einem absoluten Informationsloch, mal abgesehn, von den unzaehligen Fernsehern auf die der Schmuck aller Haeuser von Aleppo verweist. Kein Dach ohne eine Vielzahl von Satschuesseln und Wassertanks. Ich habe heute Stundenlang nach einem Internetcaffe gesucht, und bin letzten Endes wieder in das gleiche wie gestern gegangen. Es war das einzige was ich finden konnte. Heute kann ich hier auf meine Mails zugreifen. Sie waren nur alle schon gelesen als ich das Postfach oeffnete. Naja. Etwas supekt, vielleicht auch etwas mehr. Aber was solls.

So jetzt gleich werde ich nochmal durch den Suq stratzen und mir das bei lebendigem Verkehr anschauen.

Euch weiterhin viel Spass beim Lesen.

Liebe Gruesse!

Benjamin

PS: Noch habe ich keine neue Handynummer, das einundzwanzigste Jahrhundert ist manchmal doch recht fern. So sahen die wenigen Laeden die ich gesehen habe, die dafuer in Frage kamen so suspekt aus, dass ich vorbeigegangen bin. Wer mich dringend erreichen muss sollte aber daran denken, die 00963 fuer Syrien vorzuwaehlen.

16.4.10 14:31


15.04.2010 Aleppo

Hallo,

Ich bin heute mitten in der Nacht in Aleppo gelandet, und habe mich dann einem deutschen angehaengt und bin mit ihm in die Stadt gefahren.

Das, mir empfohlene Hotel hatte geschlossen und sass ich auf einmal doch gegen drei Uhr Morgens alleine in Aleppo. Halb so wild. Nachdem ich erst bei einigen anderen Hotels angefragt hatte, die alle um die 40$ pro Nacht verlangten, habe ich letzten Endes noch eines gefunden, dass, wenngleich auch weder sonderlich komfortabel noch sonderlich sauber, immerhin nur 16$ kostet.

Als ich mich dann heute gegen 11 Uhr auf den Weg machte, eigentlich nur um ein Internet Cafe zu finden und mal zu schauen, wo ich eigentlich gelandet bin, traf ich in einem grossen alten Caffe, dem man seine Vergangenheit als Kaserne vor ueber 200 Jahren noch ansah, einen Herrn um die 60. Der hat mir dann heute den ganzen Tag die Stadt erklaert und mir ein wenig in die Stadt geholfen. Er sprach sehr radebrechtes Englisch aber immerhin. Er hatte in Europa Pharmazie studiert und dann International Economies.

Ein wenig hat er mich zwischendurch an Joist erinnert. Er war offensichtlich hoch erfreut in mir einen aufmerksamen Zuhoerer fuer seine Unzaehligen geschichten ueber seine Heimatstadt Aleppo und seine eigene Uralte Familie gefunden zu haben. ER hat mich nicht nur den ganzen Tag in der Stadt herumgefuehrt, sondern mich auch permanent zu allemmoeglichen eingeladen. Schliesslich sogar zu sich nach Hause zum Mittagessen. Seine "Verrrrry goood wive" die das etwas merkwuerdige Essen zubereitet hatte durfte ich allerdings nicht ein einziges mal sehen. Ich musste das Zimmer verlassen als sie aufgedeckt hat, und als ich ins Bad wollte, rief er ihr erst zu, sie solle in ihr Zimmer gehen. Ihr Onkel scheint der Fuehrer der szrischen Kurden zu sein. Und die Familie meines Goenners hat wohl ueber die Jahrhunderte das geschick Aleppos und Syriens mitbestimmt. Er trug noch immer den heute wertlosen Titel Pascha. Bei der zweiten Nargila die wir gerade erst vorhin rauchten hat er mir erzaehlt, dass er sich eigentlich wuenscht woanders eine neue Frau zu finden mit der Sein "Baum neues Leben schaffen koenne".... Das war dann doch etwas befremdlich nach seinen "Verrrrry goood wive" Tiraden, insbesondere in Anbetracht, dass seine beiden Kinder erst Zwei und Vier waren. Ich durfte allerdings nur den vierjaehrigen Jungen sehen.

Aber er war auf jeden ausserordentlich gebildet. Er kannte sich mit Juden Christen und Muslimen, mit Sufis Literatur und Archetektur aus. Und er konnte, wobei koennen sich nicht so sehr direkt auf das sprachliche Vermoegen bezieht, mir zu jedem Haus eine Geschichte erzaehlen.

Er hat mir Verse von Poeten auf arabisch und spanisch vorgetragen und sie dann notduerftig ins englische uebersetzt. Er hat mir von Sartre und Picasso und von den verschiedenen Sultanen und sonstigen Herrschern erzaehlt. Ich hatte auf jeden Fall einen Interessanten ersten Tag hier in Aleppo.

Euch wuensche ich allen viel Spass auch weiterhin beim Lesen dieses Blogs. Ich freue mich immer ueber eurer Kommentare und gruesse und lese sie auch alle. Dem dahinrinnen meiner Internetcaffezeit ist es anzuhaengen, dass ich nicht jedesmal einzeln antworten kann.

Mit den besten Gruessen aus dem schnell dunkel werden Aleppo

Benjamin

 

PS: Aus irgendeinem, etwas suspekten Grund koennen meine EMail Accounts hier in disem Internetcaffe nich geoeffnet werden. Es heisst da jedes Mal irgendwer wolle sich gerade in meinen Account reinhacken. Ich werde aber sicherlich in den naechsten Tagen wieder zugriff auf mein Postfach haben und mich auch persoenlich bei euch melden.

15.4.10 18:48


Syrien

Hallo,

ich werde diesen Blog wohl nun für meine Syrienreise wieder reaktivieren....

Freut euch auf spannende Einträge..!

Liebe Grüße

Benjamin

2.4.10 11:08


20.08.08 Hinter der Bahn 1 29575 Altenmedingen Germany

Hallo Deutschland!!!
Eine erste Nacht wieder im eigenen Bett.... Eine herrliche, saubere Toilette.....
Auch mal ganz nett. Ich hatte mich übrigens geirrt, ich hatte gedacht, Heute würde die Schule schon wieder beginnen, aber tatsaechlich sehen wir uns erst Morgen früh. Ich werde ab halb acht da sein. Für diejenigen die man in der Schuloe sieht.
All die anderen hoffe ich auch bald auf anderem Wege wieder sehen zu können.

Meine Heimkehr nach Deutschland ist gut gelungen und problemlos verlaufen. Ich fühle mich bereits wieder wohl, hier am Ausgangspunkt meiner Reise.
Mit dem Ende dieser Reise ist auch der Zweck dieses Blogs erfüllt und seine Zeit hat ein Ende.

An dem Punkt an dem ich euch wieder begrüße, verabschieden wir, der Blog und ich, uns herzlich von unseren lieben Lesern, die mit vereinten Kräften diesen Blog inzwischen 600 mal geöffnet haben.
Es war uns ein großes Vergnügen für euch da zu sein, und wir hoffen, dass der Bericht euch mal zu einem Lächeln gebracht und mal in Spannung versetzt hat, dass es euch eine Freude war diese Reise mitzuverfolgen.

Mit liebsten Abschieds- und Willkommensgrüßen!!!

Benjamin

20.8.08 15:57


18.08.08 Antalya - Bılder

 Habe ıch dıese Bılder nıcht schon mal geblogt????

Meıne Studı Wg ın voller Pracht

Eın FAhrstuhlbıld

Abscıhed ın Tarsus

Ich ın Antalya

18.8.08 12:06


18.08.08 Antalya

Hier ın Antalya ıst das Leben entspannt. Bısher ıst nıchts besonders aufregendes mehr passıert. Morgen schon komme ıch dann hoffentlıch wıeder zurück.....

Heute Abend gehe ıch erst noch mal ıns Hamam, eın türkısches Bad. Zum Abschluss der Reıse muss das eınfach noch mal seın.

Ansonsten sıtze und schlafe ıch vıel, denke und gehe ab und zu zum Strand. Das ıst allerdıngs ne halbe Stunde Fussweg....

Also schön und entspannt. Bıs Morgen, übermorgen oder sonst ırgendwann!

18.8.08 11:51


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung